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Allgemeine Informationen

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Vom Lehrgarten zum Gehölz-Paradies

Die Geschichte des Arboretums De Dreijen

 

Das Arboretum De Dreijen ist eine grüne und idyllische Oase in Wageningen mit einer wechselvollen Geschichte. Im Laufe seines 116-jährigen Bestehens änderte der Garten mehrmals seine Funktion, wurde vergrößert und wieder verkleinert. Die Anlage ist ein interessantes Stück Kulturgeschichte, und das macht diese Sammlung lebender Pflanzen noch wertvoller.

 

 

Wie die Gartenanlage De Dreijen vor mehr als einem Jahrhundert ausgesehen hat, lässt sich schwer rekonstruieren. Den besten Anhaltspunkt liefert eine Entwurfsskizze, die der berühmte Gartenarchitekt Leonard Springer (1855-1940) im Jahr 1896 veröffentlichte. Am 3. Oktober jenes Jahres eröffnete der damalige niederländische Innenminister Samuel van Houten die Staatliche Gartenbauschule in Wageningen und den dazugehörigen Versuchsgarten. Seinerzeit lag das Schulgebäude, in dem sich auch die Amtswohnung des Direktors befand – heute in Wageningen als „Pflanzentaxonomie“ oder als das „Gebäude mit der Uhr“ bezeichnet –, mehr oder weniger in der Mitte des Geländes. Die umliegenden Versuchs- und Lehrgärten umfassten insgesamt fast fünf Hektar. Die westliche Grenze verlief hinter der heutigen Arboretumlaan; sie reichte bis zum Delhorstpad, der den Garten von der damaligen Friedhofsanlage trennte. Die Gartenanlage befand sich am Wageninger Stadtrand und war mit einer Hecke aus Decksträuchern zum Schutz gegen den Nordwind eingefasst.

 

Leonard Springer
In der Anlage spiegeln sich Springers Auffassungen wider. Für ihn war eine profunde Kenntnis der Pflanzen und Gehölze die Voraussetzung für eine Weiterentwicklung des Gartenbaus und der Gartenkunst. Auf dem Gelände waren alle Sparten des Gartenbaus vertreten: ein Gemüsegarten, ein geometrischer Rosengarten, ein pomologischer Garten (Obstgarten), Gewächshäuser für Wein und Pfirsichbäume, ein Farngarten mit einem Wasserbecken für einheimische Wasserpflanzen, eine Gärtnerei mit mehreren Treibhäusern und Zuchtstätten für Bäume, Zwiebelpflanzen und Knollengewächse, einjährige Pflanzen und Stauden. Außerdem gibt es einen Lehrgarten für Mosaikkultur und ein Arboretum: einen Lehrpark mit Bäumen und Sträuchern.

 

 

Für das Arboretum hatte Springer fast einen Hektar auf der Ostseite am Rijksstraatweg, dem heutigen Generaal Foulkesweg, vorgesehen. Der im Landschaftsstil angelegte Baumgarten sollte den Schülern die natürliche Form der verschiedenen Bäume und Sträucher vermitteln. Dieses Waldstück machte offensichtlich auch den meisten Eindruck auf die Öffentlichkeit, denn die dortige Bushaltestelle trug viele Jahre den Namen „Gartenbau-Arboretum“.
In der niederländischen Zeitschrift für Gartenbau aus dem Jahr 1876 beschreibt Springer den doppelten Zweck dieses Lehrparks: „Erstens als Arboretum, das die größtmögliche Zahl von Baum- und Straucharten enthalten wird, die für unser Klima und unsere Parks geeignet sind. Es wird nicht nur eine Lehrstätte für die Schüler, sondern für alle Interessierten, die den Namen eines Baumes oder Strauches erfahren möchten. Hier werden die Schüler außerdem in der Pflege von Parks und Landgütern unterwiesen und in der Behandlung der Bäume und Sträucher, damit sie sie in ihrer wahren Schönheit sehen, wozu in den Baumschulen nie oder nur selten Gelegenheit ist.“

 

 

Louise Baas Becking
Dreißig Jahre später, im Jahr 1906, ging die Gartenanlage nahezu nahtlos in den Besitz der Staatlichen Höheren Land-, Garten- und Forstbauschule über, und im Jahr 1918 wurde sie der Landbauhochschule (LH) eingegliedert. Im Jahr 1913 wurde die Anlage in nördlicher Richtung etwas erweitert; die Zahl der Arten und Varietäten im Gehölzteil hatte sich mittlerweile auf rund 1200 erhöht. Laubbäume wie Eiche, Buche, Ulme, Pappel und Walnuss stehen hauptsächlich entlang der Straße, die Koniferen etwas weiter mittig, in Richtung Nordwesten. Die Konservatorin Louise Baas Becking, die den formalen Garten rund um den Teich in der Mitte entwarf, schrieb im Jahr 1918, dass man den ursprünglichen Plan, von jeder Art drei Exemplare zu pflanzen, aufgegeben habe. „Dies wird noch immer bei kleinen Pflanzen gemacht. Die größeren Gewächse (insbesondere die Bäume) müssen, sobald sie eine gewisse Größe erreicht haben, herausgenommen werden“, schreibt sie im Mitteilungsblatt der Staatlichen Höheren Land-, Garten- und Forstbauschule.
In den Dreißigerjahren schrumpfte der Garten etwas, um Platz für den Neubau des Botanischen Labors zu schaffen. Mit dem Bau der Arboretumlaan wurde der westliche Teil abgetrennt und mit Wohnhäusern bebaut. Nachdem die Abteilung Pflanzensystematik und -geografie der LH im Jahr 1925 das „Gebäude mit der Uhr“ bezogen hatte, verlagerte sich auch der Schwerpunkt des Gartens vom praktischen Garten- und Forstbau hin zu botanischen Aspekten der Pflanzen. Forschung und Lehre waren nun maßgebend für die Aktivitäten im Garten und in den Treibhäusern.

 

 

Sechstausend Arten
Bedingt durch den Mangel an Heizmaterial, ging im Zweiten Weltkrieg ein Großteil des Bestandes tropischer Pflanzen verloren. Ab 1944 lag Wageningen außerdem an der Frontlinie. Granateinschläge verursachten große Schäden an den Gebäuden, den Gewächshäusern und dem Garten. Nach dem Krieg platzte der Garten schon bald aus allen Nähten. Deshalb beschloss die Verwaltung der Landbauhochschule im Jahr 1951, für 75.000 Gulden das stark zerstörte Landgut Belmonte am „Wageninger Berg“ zu erwerben. Einige Bäume und Sträucher wurden umgesiedelt und mit Pferd und Wagen von De Dreijen in das 17 Hektar große Belmonte-Arboretum transportiert.

 


In der Nachkriegszeit erleben botanische Gärten eine bis dahin nie gekannte Blüte, nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit von Pflanzenzüchtern und Botanikern. Im Jahr des 75-jährigen Bestehens, 1971, kümmerten sich in den beiden botanischen Gärten 16 Angestellte um die Pflege der sechstausend Arten und Kulturrassen. In der Forschung waren Chromosomenstudien und Taxonomie wichtige Schwerpunkte, während bei den Pflanzenhändlern ein großes Interesse an Sortimentsuntersuchungen bei Zierpflanzen bestand. Neben Forschung und Lehre entwickelte sich auch die Information zu einem wichtigen dritten Aufgabengebiet. Gleichzeitig nahm auch der Besuch von Touristen zu.

 

„Lustgarten für Linné“
Der Bau eines neuen Herbariumgebäudes und eines großen tropischen Gewächshauses im Jahr 1985 markierte den Höhepunkt der botanischen Blüte in Wageningen nach dem Krieg. Durch die Entwicklung neuer wissenschaftlicher Methoden und die Entstehung neuer Forschungsgebiete verloren die Sammlungen allmählich ihre Bedeutung in Forschung und Lehre. Hinzu kam, dass den Universitäten nach und nach die Gelder für die Bewahrung von Kulturgut ausgingen. Diese Entwicklung beklagte auch der Kurator Jan Just Bos im Wageninger Universitätsblatt: „Nur in Leiden und Wageningen kommen die Studenten noch mit Pflanzen in Berührung. Hier wird noch Pflanzenbestimmung betrieben. Alle anderen Universitäten machen das nicht mehr. Dort üben sich die Studenten ausschließlich in molekularen technologischen Methoden; bald meinen die Studenten noch, dass das merkwürdige grüne Zeug im Reagenzglas eine Pflanze ist“, schrieb Bos 1994.

 

Das kleiner werdende Garten-Team bemühte sich, die schwindende akademische Rolle durch eine verstärkte öffentliche Nutzung zu kompensieren. Im Jahr 2001 erhielten die Wageninger Gärten das Prädikat „Eingetragenes Museum“ und wurden immer häufiger Schauplatz für öffentliche Veranstaltungen. So fand im Belmonte-Arboretum zwischen 1976 und 2009 neunmal die Ausstellung „Skulpturen auf dem Berg“ statt, und im Jahr 2007 wurde die gesamte Dreijen-Anlage zum „Lustgarten für Linné“ umgewandelt.

 

 

Het Depot
Vor diesem Hintergrund ist es ein folgerichtiger Schritt, dass die Skulpturengalerie Het Depot die Verwaltung des Gartens übernommen hat. Hinzu kommt, dass die Universität sich künftig auf den Campus in Nord-Wageningen konzentrieren möchte. Der einstige Lehrgarten kann sich jetzt im Zusammenspiel mit dem ebenfalls wunderschönen Garten der Villa Hinkeloord zu einem herrlichen Spaziergarten entwickeln. Seine Funktion als Lehrgarten hat er keinesfalls verloren, wie die zahlreichen Schilder bei den Pflanzen beweisen. Wer den „Namen eines Baumes oder eines Strauches erfahren möchte“, um Leonard Springer zu zitieren, findet auch heute noch im Arboretum De Dreijen Antwort auf seine Fragen.

 

Gert van Maanen
Siehe auch www.botanischetuinen.wur.nl/dreijen

 

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