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Der Torso und das Fragment


Fragmente des menschlichen Körpers in Holz oder Stein – darunter auch der Torso – sind so alt wie die Bildhauerkunst selbst. Die Herkunft des heute verwendeten Begriffs Torso – ein Wort italienischen Ursprungs, das Stamm oder Stumpf bedeutet, also einen Baum ohne Zweige oder Wurzeln bezeichnet – ist in der italienischen Renaissance zu suchen.

 

Es gab eine Skulptur, die bereits um 1430 in Rom, im Palazzo Colonna stand. Diese Skulptur wurde allerdings erst im sechzehnten Jahrhundert tatsächlich von den Künstlern entdeckt und erlangte ihre Wirkung: der Torso von Belvédère. Dabei handelt es sich um einen überlebensgroßen Männertorso, von dem man lange Zeit annahm, er würde Herkules darstellen.

 

Dieses Standbild ist sehr dynamisch und beweglich – der Rumpf ist gegenüber den Hüften gedreht. Allerdings fehlen Kopf und Arme und die Beine sind unter den Knien abgebrochen. Heute steht dieser Torso im Museo Pio-Clementino in Vatikanstadt.
Eine Kopie befindet sich in der Skulpturengalerie Het Depot. Es gibt keine Skulptur des Altertums, die die Vorstellungskraft der Künstler in ähnlicher Weise inspiriert hat wie dieser Torso. Er wurde als so wichtig angesehen, dass er zum Symbol der Bildhauerei wurde, und nicht nur das: Er wurde zum Symbol für die Kunst selbst.

 

Der menschliche Körper diente über Jahrhunderte als Symbol und Metapher, um allgemein-menschliche Ideale zu visualisieren. Im vergangenen Jahrhundert haben die Bildhauer anhand eines Torsos ihre persönliche Sicht auf das Künstlertum sowie ihr Menschenbild ausgedrückt. Durch die Konzentration auf einen einzigen Aspekt der Form findet man in der Kunst häufig einen idealen Ausgleich zwischen anschaulicher und abstrakter Darstellung.

Die Stiftung „Stichting Utopa“ aktualisiert und fördert kreative Begabungen von Menschen
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